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Es sei denn, du liebst Spoiler. Dann ist diese Warnung für dich nicht von Belang. ;-)

Sonntag, 7. Oktober 2012

[Rezension] Donna W. Cross: »Die Päpstin«

Buchreihe: -
Einband: Paperback
Erscheinungsdatum: September 2009
Genre: Historischer Roman
ISBN: 978-3-7466-2545-4
Preis: 10,00€
Seiten: 585
Verlag: Aufbau

Bewertung:

Dem Mädchen Johanna gelingt, was anderen verwehrt blieb: Sie erhält eine heilkundliche Ausbildung. Doch sie weiß, dass sie als gelehrte Frau kaum überleben wird. Als Mönch verkleidet tritt sie daher ins Kloster Fulda ein. Später gelangt sie in Rom als Leibarzt des Papstes zu großer Berühmtheit - und wird schließlich auf den heiligen Thron gewählt.

Die Geschichte der Päpstin Johanna - vom Tag ihrer Geburt bis zum Tag ihres Todes.

Johanna wächst in ärmlichen Verhältnissen in Ingelheim im Frankenreich im 9 Jahrhundert auf. Sie leidet sehr unter ihrem strenggläubigen Vater und darunter, dass ihre Mutter - die ursprünglich aus Sachsen kommt - von ihrem Mann unterdrückt wird.
Schon ziemlich früh stellt Johanna Fragen, die sie eigentlich nicht stellen sollte.
Von ihrem Bruder Matthias lernt sie - heimlich - lesen und schreiben. Eine Tat, die sie sehr prägen wird.
Und ihr späterer Lehrmeister, der eigentlich ihren Bruder Johannes unterrichten sollte, bringt ihr sehr viele Dinge bei, die für ihr späteres Leben sehr wichtig sein werden.
Er entdeckt ihr Talent und beginnt fortan sehr viele gelehrte Gespräche mit ihr zu führen.
Auf Umwegen kommt sie nach Dorstadt und erhält dort an der Domschule eine umfangreiche Ausbildung.
Aber auch dort bleibt sie nicht ewig. Nach einem sehr schweren Schicksalsschlag verkleidet sie sich als Mann, nimmt den Namen ihres Bruders Johannes an, und begibt sich ins Kloster zu Fulda.
Dort lebt sie einige Jahre unentdeckt und erhält eine umfangreiche medizinische Ausbildung. Doch als sie krank wird und ihr die Enttarnung droht, flüchtet sie aus dem Kloster.
Nachdem sie - unter der Beobachtung eines alten Freundes - wieder genesen ist, fällt sie den Entschluss nach Rom zu gehen.
Nach ihrer Pilgerreise und ihrer Ankunft macht sie sich schnell einen Namen als Heilkundiger und steigt somit innerhalb kürzester Zeit zum Leibarzt des Papstes auf.
Später dann, als sie ca. Anfang 40 ist, wird sie selber zum Papst gewählt - ohne dass irgendwer gemerkt hatte, dass sie eigentlich kein Mann ist...

Nie im Leben hätte ich gedacht, dass mich dieses Buch so berühren und fesseln würde - denn alles kirchliche und religionstechnische schreckt mich meistens sehr ab.
Eigentlich habe ich es nur gelesen, weil ich es von einer ehemaligen Freundin empfohlen bekam.
Aber ich bin tierisch beeindruckt. Die geschichtlichen Hintergründe fesselten mich und auch Johanna mochte ich tierisch gern. Ein bisschen hat sie mich vom Charakter her an mich selber erinnert. Sie ist entschlossen, hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssin und strebt an, der Unterdrückung der Frauen zu entgehen. Sie möchte frei sein, weswegen sie sich als Mann ausgab, um Dinge zu erreichen, die sie nie im Leben als Frau erreicht hätte.
Ihr logischer Verstand und ihre Denkweise haben mich sehr fasziniert und ich hab eine Art von Genugtuung verspürt, wenn sie ihre Diskussionspartner mal wieder durch logische Argumentation ausstach.
Auch beeindruckte es mich tierisch, was sie alles damals in Sachen Medizin gelernt hatte und sich auch neuen Überlegungen gegenüber nicht verschlossen hat.
Johanna ist ein wirklich beeindruckender Charakter und ich denke, sie hat einen ersten Schritt in Richtung Emanzipation der Frau gemacht.
Schade nur, dass die katholische Kirche so verbohrt ist und die Wahrheit über Johanna unter den Tisch hat fallen lassen... Okay, es ist nicht eindeutig bewiesen, dass es Johanna gegeben hat - aber die Indizien, die die Autorin am Ende auf den Tisch legt, sprechen meiner Meinung nach für sich.
Als Papst Johannes Anglicus ist Johanna sehr bedacht darauf, die Lebensumstände des Volkes in Rom zu verbessern, anstatt sich den von ihr erwarteten päpstlichen Dingen zuzuwenden. Sie hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und will als Papst sehr viel in Rom verändern. Dass sie eine Schule für Frauen gründete und diese auch noch nach der heiligen Katharina benannte, rührte mich - aufgrund von Johannas Vergangenheit - zutiefst. Natürlich verstand der Klerus das überhaupt nicht...

Über das Ende möchte ich nicht viel verraten, nur so viel: Es war für mich sehr überraschend und erfreulich. Ich hab die ganze Zeit vor mir hergeschoben, das Buch durchzulesen, aus Angst vor dem Ende... Ich hatte eine bestimmte Vorstellung von Johannas Tod vor Augen, die sehr grausam war. Aber letztendlich war doch alles ganz anders - und für mich doch sehr beruhigend.
Der Epilog, der 42 Jahre nach Johannas Tod spielte, hat mich auch sehr grinsen lassen. Vor Freunde und ein wenig vor Genugtuung und über das Ende des Epilogs musste ich sehr lächeln. ;)

Das Buch bekommt von mir 5 von 5 goldenen Federn von mir - in meinen Augen ein Meisterwerk! Wenn ich daran denke, wie viel die Autorin recherchiert haben muss - oweh! Aber es hat sich mehr als nur gelohnt und meine Erwartungen wurden in allem übertroffen!
Das Buch empfehle ich getrost jedem weiter. Man sollte sich auf jeden Fall ein Bild von Johannas Geschichte machen.

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